Mein Zukunftstag im Bundestag
Von Jan-Paul Weber (Kl. 10)
Als Schüler der 10. Klasse hier am Mariengymnasium Jever habe ich meinen Zukunftstag in diesem Jahr im Bundestag bei der Abgeordneten Anne Janssen von der CDU gemacht. In diesem Artikel möchte ich euch erzählen, wie es dazu gekommen ist und warum man nie zu groß denken kann.
Angefangen hat alles im Februar auf der Geburtstagsfeier meines Großonkels, als wir im Familienkreis darüber sprachen, was der Zukunftstag ist und was man an diesem macht. Der Zukunftstag ist ein festgelegter Donnerstag in ganz Deutschland, an dem Jugendliche ab der 5. Klasse einen Tag lang in einen Beruf ihrer Wahl schnuppern sollen, hier am Mariengymnasium ist er verpflichtend. Mein Bruder hatte zu dem Zeitpunkt schon einen festen Platz bei der Polizei im Kommissariat Aurich, ich hatte noch keinen Platz. Im letzten Jahr war ich am Zukunftstag bei unserem Bürgermeister in der Gemeinde Friedeburg, Helfried Goetz. Mein persönlicher Anspruch war es also dieses Mal, eine oder mehrere „Etagen“ höher zu gehen. Da nach der kommunalen Ebene die Landesebene kommt, habe ich bei der Verwaltung des Landtages Niedersachsen nachgeschaut, ob noch Plätze frei waren. Waren sie nicht. Also überlegte ich weiter und kam noch am Tisch neben Erdnussflips und Cola auf die Idee, nach Berlin zu fahren um meinen Zukunftstag bei MdB Anne Janssen zu machen. Was im ersten Moment ein Einfall war, habe ich am selben Abend noch nachts zu Hause in die Tat umgesetzt. Und so verfasste ich einen Lebenslauf, ein Anschreiben und die passende Mail und schickte sie einige Tage später nach ein paar wenigen organisatorischen Abstimmungen mit meiner Familie ab.
Und wenig später kam die Antwort und nach ein paar Mails und einigen Wochen Organisation war es klar, dass ich zum Zukunftstag 2026 in die Bundeshauptstadt Berlin fahre. Als der Mittwoch der Abfahrt gekommen war, setzte ich mich am frühen Nachmittag in den Zug in Sande und fuhr mit einem Umstieg in Osnabrück ohne großartige Verspätung nach Berlin. Die Fahrtzeit im ICE konnte ich dabei sehr produktiv nutzen, da ich noch an einem Video für eine Ersatzleistung im Fach Politik arbeiten musste. Ich kam am Abend in Berlin an und bin von dem Hauptbahnhof regelrecht erschlagen worden. Er schien für mich, trotz meiner Erfahrungen in Hamburg, Köln und Osnabrück, riesig, modern und einfach „krass“. Von dort brach ich Richtung Ostkreuz auf, wo ich die Nacht bei einer befreundeten Person verbrachte, die auch einmal Schüler am Mariengymnasium war.

Doch am Morgen des Donnerstages ging es erst richtig los. Ich stand um 6 Uhr morgens auf und machte mich bereit für den Tag, ich duschte, putzte meine Zähne und zog mir mein mittlerweile fast alltägliches Outfit an, ein Jackett, Anzughose, weißes Hemd. Auf die Krawatte habe ich verzichtet. Pünktlich um 6:50 Uhr verließ ich die Wohnung und ging zum Bahnhof Ostkreuz. Dort angekommen kaufte ich mir ein Croissant und einen Tee, um mich auf der S-Bahn-Fahrt zum Potsdamer Platz zu stärken. Dort bin ich ausgestiegen und wurde wieder einmal von dieser Stadt fasziniert. Vorbei am Bahntower, der kanadischen Botschaft und der hessischen Landesvertretung ging ich in die Landesvertretung Niedersachsen, wo ich schon von einem Mitarbeiter von Anne Janssen und natürlich auch ihr persönlich begrüßt wurde. Hier nahm ich morgens am „Arbeitskreis Küste“ teil. Dieses Gremium der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag behandelt jeden Donnerstagmorgen für eine Stunde Themen, die unsere Küstenregion beschäftigen.

Um 8:45 Uhr bin ich Richtung Jakob-Kaiser-Haus aufgebrochen, eines der Gebäude, die den Bundestagskomplex bilden. Vorbei am Holocaust-Memorial und dem Brandenburger Tor steuerte ich geradewegs zum Eingang, an dem ich meinen Ausweis gegen einen Gästeausweis tauschen musste und eine Personenkontrolle wie am Flughafen durchlief. Danach ging es für mich für eine Stunde in die Plenarsitzung. Anschließend wurde ich wieder abgeholt und bekam eine sehr schöne Führung durch die vielen Abschnitte des Bundestagsbaukomplexes. Ich sah die Ausschussräume, die Brücke zwischen Paul-Löbe und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, die vielen unterirdischen Flure und weitere Sehenswürdigkeiten, die ich sonst nur aus Filmen oder dem Internet kannte. Außerdem durfte ich im Fraktionssaal der CDU/CSU-Fraktion auf dem Platz von Anne Jannsen sitzen.

Im Anschluss daran ging es für mich in das Bundestagsbüro von Anne Janssen, die just in diesem Moment eine Rede zur maritimen Wirtschaft im Plenum hielt, welche ich mir auf dem Bildschirm ansah. Danach wurde natürlich mit den anderen Mitarbeitern ihres Büros Mittag gegessen. Dies haben wir in einer der Kantinen gemacht, die auf dem Areal verteilt sind. Es gab Bratwurst, Bratkartoffeln und Rotkohl, deftige Küche. Danach ging es wieder ins Büro, wo ich den Mitarbeitern über die Schulter schauen durfte und mich sehr gut unterhalten habe. Mir wurden viele Fragen beantwortet. Dann musste aber natürlich noch ein Video für Social-Media gedreht werden. Das haben wir auf einer Dachterrasse auf dem Jakob-Kaiser-Haus gemacht.

Im Anschluss ging es abermals ins Büro, wo ich wieder viel mit den Mitarbeitern gesprochen habe. Um 17:00 Uhr hatte ich noch einmal die Gelegenheit, an der Plenarsitzung teilzunehmen. Am Abend packte ich dann meine Sachen zusammen und verließ voller Freude und neuer Erfahrungen wieder den gesicherten Bereich des Bundestages.
Ich habe von diesem Tag vor allem mitgenommen, dass man nicht aufhören sollte, groß zu denken. Wer hätte an diesem Februarabend im Familienkreis erwartet, dass ich im April tatsächlich in den Bundestag gehe? Wahrscheinlich niemand. Aber ich habe es versucht und geschafft. Denn wenn man es gar nicht erst versucht, ist man schon gescheitert.
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