Frieslands Landrat Sven Ambrosy bleibt vor SchülerInnen souverän und liefert klare Antworten

Von Jan-Paul Weber (Kl. 10)

Ein Landrat besucht eine Schule – das klingt zunächst nach einem routinierten Termin im Kalender eines Kommunalpolitikers. Doch es blieb kein gewöhnlicher Termin. Die Schülerinnen und Schüler wollten Antworten auf brennende, konkrete Fragen. Warum sind manche Schulbusse regelmäßig überfüllt? Wann wird der Schulhof endlich umgestaltet? Wie steht es um die Digitalisierung? Und wäre der Landkreis überhaupt auf eine größere Krise wie einen langanhaltenden Stromausfall vorbereitet? Rund anderthalb Stunden stellte sich Frieslands Landrat Sven Ambrosy den Fragen der Schülerschaft. Die Veranstaltung wurde von Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck moderiert. Die Fragen waren zuvor in den Klassen gesammelt und anschließend ausgewählt worden. Stellvertretend für die Schülerinnen und Schüler übernahmen Mike aus dem 11. Jahrgang sowie die Sechstklässlerin Daaje die Rollen der Fragenden.

Ein Landrat mit ungewöhnlichem Werdegang

Bevor die eigentliche Fragerunde begann, stellte sich Sven Ambrosy zunächst persönlich vor. Sein politischer Werdegang ist nämlich alles andere als typisch. Nach seinem Realschulabschluss interessierte er sich zunächst für Geschichte, Archäologie und Ägyptologie. Nach dem Abitur begann er ein entsprechendes Studium. Sein eigentlicher Berufswunsch führte ihn also eher in Museen und wissenschaftliche Einrichtungen als in die Politik. Später entschied er sich jedoch für einen Richtungsänderung und wechselte zur Rechtswissenschaft mit Schwerpunkt Öffentliches Recht. Politisch engagierte sich Ambrosy bereits mit 16 Jahren, unter anderem bei des JUSOS. Als Grund nannte er unter anderem die Erfahrungen seiner Familie während der Zeit des Nationalsozialismus. Früh habe er die Überzeugung entwickelt, dass Demokratie vom Mitmachen lebe und politische Entscheidungen nicht anderen überlassen werden sollten. Heute blickt Ambrosy auf eine außergewöhnlich lange politische Karriere zurück. Seit 2003 steht er an der Spitze des Landkreises Friesland. Als er damals gewählt wurde, galt er mit 33 Jahren als jüngster Landrat Deutschlands. Nach mehreren Wiederwahlen prägt er die Entwicklung des Landkreises inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten. Mit dem Ende seiner Amtszeit im Herbst 2026 geht somit eine Ära der friesländischen Kommunalpolitik zu Ende.

v.l. Mike, Landrat Sven Ambrosy, Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck, Daaje (Foto: Jürgen Ploeger-Lobeck)

Der tägliche Ärger auf dem Schulweg

Kaum ein Thema beschäftigte die SchülerInnen so sehr wie der öffentliche Nahverkehr. Mehrere Fragen drehten sich um überfüllte Busse, lange Fahrzeiten und unzureichende Wartebereiche an Haltestellen. Ambrosy machte deutlich, dass sich der öffentliche Nahverkehr in Friesland in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Während früher vor allem der klassische Schülerverkehr organisiert worden sei, investiere der Landkreis heute erheblich in ein deutlich breiteres Angebot. Neue Linien, moderne Fahrzeuge und zusätzliche Verbindungen seien Teil dieser Entwicklung. Gleichzeitig räumte er ein, dass nicht alle Probleme gelöst seien. Gerade bei stark ausgelasteten Verbindungen gebe es weiterhin Herausforderungen. Deshalb appellierte er an die Schülerinnen und Schüler, Probleme möglichst konkret zu melden. Nur wenn bekannt sei, welche Linie zu welcher Uhrzeit betroffen sei, könne die Verwaltung gezielt reagieren.

Ein neuer Schulhof nach Jahren des Wartens

Besonders wichtig war auch die Frage nach der Erneuerung des Schulhofs des Mariengymnasiums. Viele Schülerinnen und Schüler hatten sich in den vergangenen Jahren gefragt, warum die geplante Neugestaltung immer wieder verschoben wurde. Nun konnte Ambrosy erstmals einen konkreten Zeitrahmen nennen. Das Konzept für die Neugestaltung sei zwischen Schule und Landkreis vollständig abgestimmt. Die Ausschreibungen liefen bereits, sodass die Bauarbeiten noch im Laufe dieses Jahres beginnen sollen. Rund 200.000 Euro stehen für das Projekt zur Verfügung. Geplant sind neue Sitzgelegenheiten, zusätzliche Begrünungen und Bewegungsangebote. Hervorzuheben war dabei die Erklärung des Landrats, warum das Projekt so lange auf sich warten ließ. In den vergangenen Jahren hätten zunächst umfangreiche Investitionen in die Schulgebäude selbst sowie in die Digitalisierung Vorrang gehabt. Erst nachdem diese Maßnahmen weitgehend umgesetzt worden seien, habe der Landkreis zusätzliche Mittel für die Aufenthaltsqualität auf den Schulgeländen bereitstellen können.

Digitalisierung als Daueraufgabe

Auch die Digitalisierung der Schulen spielte eine zentrale Rolle in der Fragerunde. Dabei ging es nicht nur um Tablets, sondern um die grundsätzliche Frage, wie moderne Bildung in Zukunft aussehen soll. Schülerinnen und Schüler berichteten von Problemen mit dem WLAN, fragten nach digitalen Endgeräten und wollten wissen, welche weiteren Entwicklungen geplant seien. Ambrosy verwies darauf, dass Friesland bereits früh begonnen habe, seine Schulen digital auszustatten. Gleichzeitig erläuterte er die Pläne des Landes Niedersachsen, künftig alle Schülerinnen und Schüler ab Jahrgang 7 mit Tablets auszustatten. Dabei machte er deutlich, dass Digitalisierung weit mehr bedeute als die Anschaffung neuer Geräte. Auch Netzwerktechnik, Wartung, Support und regelmäßige Modernisierung seien entscheidende Faktoren. Die eigentliche Herausforderung liege deshalb häufig nicht im Kauf eines Tablets, sondern in der langfristigen Sicherstellung eines funktionierenden Gesamtsystems.

Die Veranstaltung in der Aula des Mariengymmnasiums war ein voller Erfolg (Foto: Jürgen Ploeger-Lobeck)

Was passiert, wenn plötzlich alles ausfällt?

Zu den spannendsten Fragen der Veranstaltung gehörte zweifellos der Themenblock Katastrophenschutz. Die Frage eines Schülers lautete sinngemäß: Wie gut ist Friesland eigentlich auf Krisen vorbereitet? Ambrosy nutzte die Gelegenheit, um einen Einblick in einen Bereich zu geben, der normalerweise kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Er berichtete über Notfallpläne, Krisenstäbe und die Zusammenarbeit mit Feuerwehr, THW, DLRG, DRK und weiteren Organisationen. Besonders ausführlich sprach er über das Bundesprogramm „Resiliente Regionen“, an dem Friesland beteiligt ist. Ziel des Projekts ist es, Landkreise widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen. Dabei geht es um Szenarien wie großflächige Stromausfälle, Störungen der Wasserversorgung oder andere Ausnahmesituationen. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste und kritische Infrastruktur müssten auch dann funktionsfähig bleiben, wenn zentrale Versorgungssysteme ausfallen. Genau auf solche Situationen bereite sich der Landkreis vor. Um die Bedeutung dieser Planungen zu verdeutlichen, schilderte Ambrosy einen realen Vorfall, bei dem nach Bauarbeiten wichtige Wasserleitungen beschädigt wurden. Innerhalb kurzer Zeit waren große Teile der Region betroffen. Solche Ereignisse zeigten, wie abhängig moderne Gesellschaften von funktionierender Infrastruktur seien – und wie wichtig Vorsorge sei, lange bevor eine Krise tatsächlich eintrete.

Ein Politiker zum Anfassen

Trotz der teilweise ernsten Themen blieb die Atmosphäre während der gesamten Veranstaltung bemerkenswert locker. Immer wieder nahm sich Ambrosy Zeit für persönliche Anekdoten, spontane Nachfragen und humorvolle Antworten. Zum Abschluss lockerte eine schnelle Fragerunde die Veranstaltung zusätzlich auf. Dabei musste sich der Landrat zwischen verschiedenen Alternativen entscheiden – von „Buch oder Hörbuch?“ bis „WhatsApp oder Anruf?“. Gerade diese Momente sorgten dafür, dass der Besuch nicht wie ein klassischer Politikerauftritt wirkte. Stattdessen entstand ein Gespräch, das Politik greifbar machte und den direkten Austausch in den Mittelpunkt stellte.

Mehr als ein Schulbesuch

Die Fragerunde mit Sven Ambrosy machte deutlich, dass Kommunalpolitik oft unterschätzt wird. Viele der Themen, die Jugendliche täglich beschäftigen, werden nicht in Berlin oder Hannover entschieden. Sie werden im Kreistag, in Kreisverwaltungen und in Rathäusern verhandelt. Ob Schulbusse, Digitalisierung, Gebäudesanierungen, Katastrophenschutz oder die Gestaltung eines Schulhofs – all diese Entscheidungen prägen den Alltag vor Ort unmittelbar. Gerade deshalb war der Besuch des Landrats weit mehr als ein gewöhnlicher Schultermin. Er zeigte, wie Politik dort wirkt, wo die meisten Menschen ihr tägliches Leben verbringen: direkt vor ihrer Haustür. Und er machte deutlich, dass die Fragen junger Menschen nicht nur gehört werden, sondern konkrete politische Konsequenzen haben können.

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